WARLUX - Soldaten und ihre Gemeinschaften im Zweiten Weltkrieg: Die Auswirkungen und das Erbe der Kriegserfahrungen in Luxemburg

Zwischen März 2020 und März 2024 führte das Luxembourg Centre for Digital and Contemporary History (C²DH) eine umfassende Untersuchung zu den Kriegserlebnissen junger Luxemburger Männer durch, die während des Zweiten Weltkriegs im Reichsarbeitsdienst (RAD) oder in den Streitkräften verpflichtet waren. Mehr als 10 000 junge Männer wurden zwischen 1942 und 1944 in die Wehrmacht eingezogen, von denen schätzungsweise 3 000 den Krieg nicht überlebten. Darüber hinaus desertierten etwa 3 500 Wehrpflichtige oder tauchten unter, um der Einberufung zu entgehen.  

Das Projekt konzentrierte sich auf die individuellen Lebensgeschichten der Zeitgenossen und nutzte eine bottom-up-Perspektive.  Dies sollte die Vermittlung eines nuancierten Verständnisses der Kriegserlebnisse in Luxemburg ermöglichen, wobei die Vielfalt innerhalb des Landes betont wurde. Ziel war es, historisch verwendete Kategorien wie 'Zwangsrekrutierter', 'Freiwilliger', 'Wehrdienstverweigerer' und 'Deserteur' neu zu bewerten und in den Nachkriegsdiskurs in Luxemburg zu integrieren.

Die Studie konzentrierte sich auf männliche Wehrpflichtige und ihre Familien aus der Industriestadt Schifflingen im Süden Luxemburgs. Es wurde sowohl zu den Militärerlebnissen der Wehrpflichtigen als auch zu den unterstützenden und strafenden Maßnahmen der nationalsozialistischen Verwaltung gegenüber den Angehörigen im luxemburgischen zuhause geforscht. Schifflingen wurde aufgrund praktischer und kontextueller Faktoren als Fallstudie ausgewählt, darunter die Verfügbarkeit von Quellenmaterial, die demografische Vielfalt und die Größe der Stadt. Wenngleich diese Stichprobe das gesamte Land nicht vollständig repräsentiert, insbesondere im Vergleich zum ländlich geprägten Norden, bietet sie wertvolle Einblicke in die Auswirkungen der Einberufung auf Einzelpersonen, Gemeinschaften und Familien. Ursprünglich war auch eine Untersuchung der Erfahrungen weiblicher Zwangsrekrutierte im RAD und im Kriegshilfsdienst (KHD) vorgesehen, doch begrenzten praktische Einschränkungen den Projektumfang. Zukünftige Forschungsprojekte könnten die Möglichkeit bieten, auch die Erfahrungen der weiblichen Zwangsrekruten zu erforschen.

Um aus erster Hand Dokumente über die Erfahrungen der von der Nazi-Einberufung Betroffenen zu sammeln, wurde im Jahr 2021 eine landesweite Crowdsourcing-Kampagne gestartet. Insgesamt wurden über 160 Sammlungen mit mehr als 5000 Kriegsbriefen zusammengetragen und digitalisiert, wodurch eine einzigartige digitale Sammlung von Kriegsbriefen entstand.

Obwohl das Projekt offiziell im März 2024 endete, wird die Website weiterhin schrittweise entwickelt und für historische und Forschungszwecke zugänglich bleiben. Die Doktorandin Sarah Maya Vercruysse setzt ihre Forschungen zu den Auswirkungen der Wehrpflicht auf die Familien und lokalen Gemeinschaften bis zum Frühjahr 2025 fort.

Karte von Schifflingen, 1950 (Copyright Administration du cadastre et de la topographie)

Weitere Informationen zur Zwangsrekrutierung in Luxemburg (und Schifflingen) finden Sie unter:

Nationalarchiv von Luxemburg
Zeitgenössische Abteilung:
Plateau du Saint-Esprit . L-1475 Luxembourg
B.P. 6 . L-2010 Luxembourg
Tel. (+352) 247-86660
Email : contemp@an.etat.lu
Webseite : https://query.an.etat.lu/Query/suchinfo.aspx

Nationales Museum des Widerstands und der Menschenrechte (MNRDH)
136, rue de l’Alzette
L-4010 Esch-sur-Alzette
Tel : (+352) 54 84 72
E-Mail : info@mnr.lu
Website : https://mnr.lu/

Gemeindearchiv Schifflingen
Avenue de la Libération
L-3801 Schifflingen
Etage 2,5 bureau 2
Mail address:
B.P. 11 L-3801 Schifflange

Partner:

Bundesarchiv
Fédération des enrôles de force (FEDEF)
Gemeinde Beckerich
Gemeinde Clervaux
Gemeinde Echternach
Gemeinde Esch-sur-Alzette
Gemeinde Schifflingen
Gemeinde Weiswampach
Komitee für das Gedenken an den Zweiten Weltkrieg / Archiv Hollerich
Lab 1100/ Nodegoat
Musée régional des enrôles de force, Dudelange
Nationales Archiv von Luxemburg
Nationaler Forschungsfond Luxemburg (FNR)
Nationales Militärgeschichtliches Museum (MNHM), Diekirch
Nationales Museum des Widerstands und der Menschenrechte (MNRDH), Esch-sur-Alzette
NIOD, Institut für Kriegs-, Holocaust- und Genozidstudien, Amsterdam
Photothèque, ville de Luxembourg
Transkibus/ ReadCoop

Wir danken auch den Beitragenden unsere Crowdsourcing-Kampagne

Dieses Projekt wurde durch die großzügige Unterstützung des Nationalen Forschungsfonds Luxemburgs (Fonds National de la Recherche - FNR) ermöglicht